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(12/2014) Simon Schleupner

BSC II

» Im Gespräch mit Schiedsrichter Simon Schleupner «
Zehn Schiedsrichter pfeifen aktuell für den Breloher SC in verschiedensten Ligen. Unser "ligenhöchster" BSC-Schiedsrichter ist Simon Schleupner, der derzeit Spiele in der Landesliga leiten darf und in der Oberliga Niedersachsen als Assistent eingesetzt wird. Zeit für uns, euch den 22-jährigen näher vorzustellen und über das "Hobby Schiedsrichter" zu berichten.

BSC-Online-Team: Hallo Simon, außer deinem Namen bist du den meisten BSC'ern vermutlich eher unbekannt. Stell dich doch bitte einmal kurz vor?

Simon Schleupner: Guten Tag und herzlichen Dank für die Einladung zu diesem Interview. Ich heiße Simon Schleupner(22), habe gerade meine Ausbildung zum Bankkaufmann abgeschlossen und bin seit 6 Jahren Schiedsrichter im NFV Heidekreis.

BSC-Online-Team: Wann und warum hast du den Schiedsrichterlehrgang besucht und angefangen, auf dem Feld die Regeln durchzusetzen?

Simon Schleupner: Die Perspektive als Schüler auf ein bisschen Taschengeld, kostenlosen Eintritt bei Spielen im DFB und vor allem die neue Herausforderung und Aufstiegschancen im Fußball haben mich sehr gereizt. 2008 begann ich wie jeder Schiedsrichter im Heidekreis mit einem Anwärterlehrgang. Hier bekommt man innerhalb von 2 Wochen bei Abendveranstaltungen das aktuelle Regelwerk beigebracht, um dann für die aktive Zeit als Schiedsrichter vorbereitet zu sein. Ich hatte immer ein starkes Rechtsempfinden und war mit den Schiedsrichterentscheidungen nie einverstanden. Daraufhin habe ich für mich entschieden, dass ich es besser machen will. Ebenfalls war der Reiz auf dem Feld Konflikte zu lösen und sich auf unterschiedliche Charaktere einzustellen von Beginn an sehr hoch.

BSC-Online-Team: Hast du anschließend weiter aktiv gespielt und wann hast du dich endgültig für die Schiedsrichterlaufbahn entschieden?

Simon Schleupner: Lange Zeit wäre es möglich gewesen beides miteinander zu verbinden. Einen Tag am Wochenende spielen, den anderen Tag pfeifen. Eine hohe Belastung, aber ich konnte mich erst nicht entscheiden, wo ich die größeren Perspektiven habe. Doch mit den Aufstiegen als Schiedsrichter letztendlich in den Bezirk (Herren), wurde mir meine Entscheidung im Nachhinein als richtig bestätigt. Neben der Ausbildung war die Schiedsrichterei durch individuelleres Zeitmanagement besser zu gestalten. Wahrscheinlich hatte ich auch ein bisschen mehr Talent, als beim Kicken.

BSC-Online-Team: Inzwischen darfst du in der Herren-Landesliga pfeifen. Wie hoch ist der zeitliche Aufwand für Spiele in der Landesliga?

Simon Schleupner: Landesspiele nehmen normalerweise immer einen ganzen Tag des Wochenendes in Anspruch. Rechtzeitige Anreise und relativ lange Fahrtstrecken schlagen hier natürlich stark auf die Zeit. Aber wenn man dann in einem Stadion mit bis zu 1.000 Zuschauern steht und sich mit profiähnlichen Bedingungen auseinandersetzt, nimmt man diesen Aufwand sehr gerne auf sich.

BSC-Online-Team: Wie groß muss die Leidensfähigkeit des Schiedsrichters sein?

Simon Schleupner: Leidensfähigkeit - natürlich darf man nicht dünnhäutig sein und muss vereinzelt mit Kritik, teilweise auch unsachlicher Art, umgehen können. Hier bekommt man aber im Laufe der Zeit Erfahrungen, wie man diese gut eindämmen kann, bzw. wie man unsachliche Zurufe aus dem Zuschauerraum "ausblendet". Solange man als Schiedsrichter auf Augenhöhe agiert und den Dialog zu den Spielern/Verantwortlichen pflegt, überwiegen die positiven Eindrücke.

BSC-Online-Team: Während des Spiels wird ja oft über den Schiedsrichter geschimpft. Sowohl bei Spielern als auch Fans ist der Schiri tendenziell eher der Buhmann. Gibt es auch positive Rückmeldungen für die Spielleitung?

Simon Schleupner: Natürlich. Oft sagt man als Schiedsrichter, keine Kritik wäre schon ausreichend Lob. Aber es gibt oft Tage, an denen trotz zweifelhafter Einzelentscheidungen am Ende Trainer oder Spieler Lob aussprechen. Wichtig sind hier, wie gerade genannt, ein sportlicher Dialog und ein guter Umgang untereinander, auch wenn man in manchen Situationen auch zu gelben oder roten Karten greifen muss.

BSC-Online-Team: Fragt man sich da manchmal: "Warum tue ich mir das an"?

Simon Schleupner: Zweifel oder den Gedanken aufzuhören gab es noch nie. Jedes Mal, wenn es einen Rückschlag gab, wurde man aufgefangen und durch viele Verantwortliche und Freunde aus dem Sport wieder aufgebaut. Man lernt aus Fehlern und Problemen. Wichtig ist, die Ursachen zu erkennen und weiter hart an sich zu arbeiten.

BSC-Online-Team: Und welche besonderen Geschichten sind dir im Gedächtnis geblieben?

Simon Schleupner: Unendliche Dialoge; unbeschreibliche Partien; bekannte Spieler, die doch nur normale Menschen mit vielen Ecken und Kanten sind; viele Freundschaften unter den Schiedsrichtern - das sind alles Momente, die die Schiedsrichterei ausmachen und einzigartig sind.

BSC-Online-Team: Würdest du Jugendlichen raten, Schiedsrichter zu werden und wenn ja, warum? Was macht für dich die Faszination aus?

Simon Schleupner: Schiedsrichterei ist eine Lebensschule. Kommunikation, Durchsetzungsvermögen, Umsetzen von Regeln, Gerechtigkeitsempfinden, Kritikfähigkeit, Persönlichkeit, Fitness und Ausdauer - das sind nur einige Dinge, die ein guter Schiedsrichter braucht. Das sind außerdem alles wichtige "Softskills" - ob in der Familie, oder im Job. Außerdem lernt man im Umfeld als Schiri viele Leute kennen. Ein solches Hobby schweißt zusammen.

BSC-Online-Team: Was machst du, wenn du keine Spiele leitest oder studierst?

Simon Schleupner: Wichtige Ruhepunkte sind bei dem ausgefüllten Zeitplan meine Familie, meine Freundin und meine Freunde. Hier kann ich entspannen und mich einfach nur wohl fühlen. Sonst unternehme ich gerne was mit meiner Freundin und meinen Freunden, mache Musik und treibe Sport.

BSC-Online-Team: Sehen wir dich zukünftig vielleicht auch noch im Profi-Bereich ab der 3. Liga als Schiedsrichter?

Simon Schleupner: Die Oberliga ist schon ein unglaubliches Erlebnis. Ich bin froh, den Schritt in diese Richtung geschafft zu haben. Sollte durch weiterhin gute Leistungen mehr drin sein, wäre das der nächste denkbare Schritt. Das Gute ist, dass die Leistungen aller Schiedsrichter auf einem Top-Niveau sind und daher die Konkurrenz, aber auch der eigene Ansporn, extrem steigt.

BSC-Online-Team: Vielen Dank für das ausführliche Interview. Möchtest du abschließend noch etwas los werden und den BSC'ern mit auf den Weg geben?

Simon Schleupner: Ich freue mich, dass der Vereinszusammenhalt sehr gut ist. Das macht den Verein aus. Dennoch möchte ich für mehr Verständnis für die Schiedsrichter und ihre Entscheidungen aufrufen. Ein Schiedsrichter muss im Spiel gut über 200 Entscheidungen treffen, ein Spieler nur 150 Pässe spielen. Klar das kaum jede Entscheidung zu 100% richtig sein kann, aber kommt denn jeder Pass des Spielers an?

Das Gespräch führte Harry Joneleit mit Simon.

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